Führungsstil, Unternehmen, Führung, Leadership

MITTEN DRIN ODER OBEN DRÜBER? – WELCHEN FÜHRUNGSSTIL IHR UNTERNEHMEN BRAUCHT

Das mit dem Führungsstil ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Braucht Ihr Team eine eindeutige, formale Autorität, die hierarchisch über dem Team steht und das Team „managt“? Oder einen „primus inter pares“, der Teil des Teams ist, an vorderster Front mitkämpft und ausgestattet mit natürlicher Autorität als Vorbild vorangeht?

Die Antwort auf die Frage nach dem Führungsstil liegt alles andere als auf der Hand! Wir bei Evoleo werden nicht müde zu betonen, dass es keine Patentrezepte gibt und dass wir den Einzelfall betrachten und tiefer schauen müssen.

Der Führungsstil in „Die Mannschaft“

Nehmen wir die deutsche Fußballnationalmannschaft – Fußball ist wegen seiner Komplexität immer ein schönes Feld für anschauliche Beispiele und treffende Analogien. Und weil ich in der viel gelobten Fußballschule des VfB Stuttgart tätig bin, sehe ich den Fußball nochmal mit anderen Augen.

In der deutschen Mannschaft gibt es wie in jedem Team einen Chef. Naja, da wird es bereits komplex, denn wenn Sie genauer hinschauen, gibt es mehrere Chefs: Natürlich ist da Jogi Löw, der die formale Position des verantwortlichen „Managers“ hat. Er stellt das Team zusammen, er leitet das Training und gibt die Taktik vor – und natürlich hält er den Kopf hin, wenn die Mannschaft verliert. Aber da sind auch noch die Führungskräfte auf dem Feld. Sie haben keinen Posten im Sinne eines Vorgesetzten, sie haben weder formale inhaltliche noch formale personelle Führungsaufgaben – dennoch gehen sie situativ in Führung.

So wie Bastian Schweinsteiger, dessen natürliche Autorität vielleicht am deutlichsten im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 2014 zur Geltung kam: Körperlich angeschlagen, verschrammt, mit Blut im Gesicht und geplagt von Krämpfen warf er sich bis zur letzten Minute in die Zweikämpfe und wirkte so stark als „emotionaler Leader“, dass er sein Team zum Titelgewinn führte. Ja, führte: Bastian Schweinsteiger war in diesem Spiel vermutlich die entscheidende Führungskraft.

Aber da führen immer auch noch andere: In der Nationalmannschaft gibt es beispielsweise die „Passmaschine“ Toni Kroos, ein Spieler, der in fast jedem Spiel die meisten Ballberührungen hat, der häufig nicht so auffällig spielt, aber stets enormen Einfluss auf das Spiel nimmt und mit seinem ungeheuren Laufpensum die Lücken der deutschen Formation schließt. Und da ist Mesut Özil, der kein Vorbild als Kämpfer oder Läufer ist, aber dem deutschen Team mit seiner überragenden Spielintelligenz viele kleine, oft entscheidende Vorteile verschafft, weil er gerade in den gefährlichsten Räumen immer anspielbar ist und damit den Gegner ständig unter Druck setzt.

Diese Führungskräfte stehen selbst auf dem Platz, sind Teil des Teams, haben keinen Posten und führen dennoch sehr deutlich. Je nach Spielsituation mal der eine, mal der andere. Sie sind damit das perfekte Beispiel für den Führungsstil eines „primus inter pares“. Unserer Erfahrung nach braucht jedes gut funktionierende Team solche Leader.

Welcher Führungsstil wird vom Chef nun verlangt?

Doch da gibt es notwendigerweise auch noch den formalen Chef! Und dieser „Jogi Löw“ steht in vielen Unternehmen leider in keiner guten, teamorientierten Beziehung zu den „Schweinsteigers“, „Kroos’“ und „Özils“ in seinem Team. Viel zu häufig ist der formale Chef ein Einzelkämpfer, der das Team nur von außen über seine höhere Hierarchiestufe leitet, aber die informellen Leader im Team bewusst oder unbewusst als drohende Konkurrenz bekämpft und klein hält, anstatt mit ihnen an einem Strang zu ziehen. In solchen Teams kann ein Führungsvakuum entstehen. Oder anders gesagt: Das Team kämpft nicht geschlossen für den Erfolg.

Ein derartiges Problem mit dem Führungsstil zu diagnostizieren und dann auch noch gezielt zu beheben, ist nicht einfach – denn die Probleme sind oft verdeckt und die Lösungen folgen keinem schematischen Muster. Dennoch: Wenn wir mit Evoleo in der Diagnosephase tiefer schauen, sehen wir oft, dass solchen Teams die emotionale Leadership fehlt. Je nach Einzelfall ist dies aber nicht unbedingt die Aufgabe des formalen Chefs!

Ein „Jogi Löw“ kann zwar, muss aber nicht gleichzeitig der „Schweinsteiger“ im Team sein. Wichtig ist jedenfalls, dass irgendeiner in der Führungskonstellation die Ärmel hochkrempelt und vorangeht, gerade wenn ein Projekt in seine entscheidende Phase kommt. Wenn dann jeder auf den anderen schaut und keiner die Verantwortung übernimmt, kann eine sehr destruktive Atmosphäre im Team entstehen. Und wer will hinterher dann sagen, wer daran schuld ist?

Letztlich gilt: Nur wenn es formalen Führungskräften gelingt, ihr Team so zusammenzustellen und zu führen, dass sie selbst oder andere „Führungsspieler“ im Team präsent sind, gerade wenn es darauf ankommt, können Krisen überwunden und schwierige Aufgaben erfolgreich gemeistert werden. Sich alleine auf seine formale Rolle und die „Vorgaben“ zu berufen, hilft da wenig.

Was zu tun ist, wenn Teams nicht an einem Strang ziehen

Eine Voraussetzung, damit das klappt: Der Chef bringt seinen Mitarbeitern und insbesondere seinen informellen Leadern Wertschätzung entgegen! Er dankt unter vier Augen und auch vor allen seinen Leuten immer wieder, dass jeder seine Stärken an der richtigen Stelle eingesetzt hat. Nichts wirkt motivierender!

Ihr Unternehmen kann auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn alle im gleichen Team spielen. Das bedeutet: Offene oder verborgene Hierarchiekämpfe müssen gelöst werden! Denn sie spalten das Team und damit Ihre Organisation.

Wenn es daran in Ihrem Unternehmen hapert, dann schlagen wir Ihnen als eine der ersten Überlegungen vor, darauf zu achten, ob das Zusammenspiel von situativer, informeller Führung auf der einen und formaler, hierarchischer Führung auf der anderen Seite wirklich gut funktioniert. Wenn nicht: Rufen Sie uns an!

Philipp Ackermann
philipp.ackermann@evoleo.de
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