Führungskräfte, Präsentation, Rhetorik, Sprechen, Pause

WIE SIE DIE MACHT DER PAUSE NUTZEN – BEIM PRÄSENTIEREN UND DARÜBER HINAUS

Was wäre das Sprechen ohne das Schweigen, was die Stimme ohne die Stille? Es klingt zwar paradox, aber zum Sprechen gehört auch immer das Nicht-Sprechen, das Schweigen, die Pause.

Haben Sie schon einmal Mitarbeiter oder Führungskräfte erlebt, die bei Präsentationen geräuschvoll einatmen, merkwürdig hektisch sprechen, gewissermaßen ohne Punkt und Komma reden? Das wirkt natürlich alles andere als souverän, sondern eher gehetzt und gestresst. Doch warum passiert das eigentlich? Warum lassen sich Redner und Vortragende hetzen?

Die meisten Führungskräfte meinen, Sie seien als Vortragende in einer gewissen „Bringschuld“, sie stünden jetzt vorne und müssten einen Monolog halten und viel Inhalt in kurzer Zeit liefern. Das mag zwar so sein. Diese innere Einstellung bringt jedoch nicht Ruhe, sondern Hektik. Oft klingt die Stimme beim schnellen gestressten Sprechen zu hoch und angestrengt. In den Ohren der Zuhörer mehr als unangenehm. Hektik wirkt nicht souverän.

Nicht umsonst heißt es: In der Ruhe liegt die Kraft. Wirklich souveräne Menschen sind Herr oder Herrin über ihre Zeit. Sie wissen: Weniger ist oft mehr und langsam ist das neue schnell. Sie lassen sich nicht von einem prall gefüllten Terminkalender oder einer vermeintlichen „Bringschuld“ aus der Ruhe bringen. Kurz gesagt: Souveräne Redner wissen um die Macht der Pause.

Wenn Sie also souverän präsentieren möchten, sollten Sie sich Pausen gönnen. Schauen Sie sich die großen Redner an: „Yes, we can!“, „Ich bin ein Berliner!“, „I have a dream!“ Was wären diese historischen Sätze, wenn Barack Obama, John F. Kennedy und Martin Luther King sie hektisch, beiläufig oder gestresst – ohne wirkungsvolle Pause – einfach dahin genuschelt hätten?

Große Gedanken müssen „atmen“ können. Das geht nur, indem Sie diesen Gedanken Raum und Zeit geben. Es bedarf also einer Pause…

5 Gründe, warum Sie beim sprechen bewusst Pausen machen sollten

Es gibt noch wesentlich mehr Gründe, weswegen es sich lohnt, beim Sprechen bewusst die Macht der Pause zu nutzen.

  1. Pausen geben Ihnen als Redner die Möglichkeit zu überlegen, was Sie als nächstes sagen wollen. Sie reden strukturierter, ohne störende Ä
  2. Pausen geben Ihren Zuhörern die Möglichkeit, das, was Sie gesagt haben, wirklich aufzunehmen, zu verstehen und zu verinnerlichen.
  3. Pausen können Spannung erzeugen, z.B. vor einem wichtigen Wort, vor einer Pointe oder nach einer rhetorischen Frage.
  4. Pausen geben Orientierung, mit Pausen können Sie Ihren Vortrag oder Ihre Präsentation einfach gliedern.
  5. Pausen können – sinnvoll eingesetzt – Ihre Präsentation lebendiger und interessanter machen – so dass Sie Ihre Zuhörer nicht bloß informieren, sondern wirklich faszinieren.

Doch Vorsicht! Sprechpausen an den falschen Stellen können fatal sein. Lesen Sie folgenden Satz einmal laut vor: „Das ist unsere neue Praktikantin.“ Nun lesen Sie diesen Satz noch einmal, und zwar mit einer verzögernden Pause vor dem Wort „Praktikantin“.

Also: „Das ist unsere neue … Praktikantin?“ Vermutlich haben Sie bemerkt, dass der Satz nun so klingt, als ob Sie wenig von der Praktikantin halten? Dass nahezu automatisch ein ironischer, womöglich gar anzüglicher Unterton hinzukommt?

Sprechpausen markieren, wie wir das, was wir sagen, meinen. Sie können hervorheben, betonen, ironisieren, irritieren, verblüffen. Im Extremfall retten sie sogar Leben: „Komm, wir essen, Opa“ würde ohne das kurze Innehalten bei den Kommas zu einem kannibalischen „Komm, wir essen Opa!“ Achten Sie also auf Ihre Pausen 😉

Jede Präsentation beginnt mit einer Pause!

Im Ernst: Jede Präsentation sollte mit einer kleinen Pause beginnen. Die meisten Vortragenden denken, sie müssten sofort loslegen. Damit verschenken sie jedoch viel Wirkungspotenzial. Schlimmstenfalls wirkt es respektlos, kaum am Rednerpult angekommen, einfach loszureden. Die Pause vor der Präsentation erlaubt es, mit den Menschen wirklich Kontakt aufzunehmen und Gemeinsamkeit herzustellen. Sie sorgt für eine gespannte, aufmerksame Atmosphäre: „Was kommt jetzt?“, „Wie klingt wohl ihre Stimme?“, „Was sagt er als erstes?“

A-5Strategie für einen wirkungsvollen Rede-Auftakt

Erfahrungsgemäß fällt es den meisten Menschen  schwer, mit einer Pause in den Vortrag zu starten. Um genau das zu üben, hat sich die A-5-Strategie  in der Praxis gut bewährt. Probieren Sie diese Methode einfach einmal bei Ihren künftigen Präsentationen aus – sei es in einem Meeting, bei Kundenveranstaltungen oder bei der kurzen Ansprache bei der Firmen-Weihnachtsfeier.

  1. A = Aufstehen! Erheben Sie sich, um beispielsweise ans Flipchart oder das Rednerpult zu gehen, aber auch – im übertragenen Sinn – um für Ihr Statement, Ihre Botschaft aufzustehen.
  2. A = Abwarten! Gönnen Sie sich einen Moment der Ruhe und Konzentration, spüren Sie den Kontakt der Füße zum Boden – so haben Sie im wörtlichen Sinne einen klaren Standpunkt.
  3. A = Anschauen! Nehmen Sie Blickkontakt mit den Zuhörern auf. Schauen Sie bei einer kleinen Runde jedem einzelnen Zuhörer in die Augen, bei größerer Runde lassen Sie den Blick einfach durchs Publikum schweifen.
  4. A = Ausatmen! Viele, die beim Sprechen „Atemnot“ empfinden, haben eigentlich zu viel Luft eingeatmet. Gerade zu Beginn einer Rede plustern sich Vortragende oft so auf, als ob der Atem für die gesamte Präsentation reichen sollte. Das Resultat: die ersten Sätze klingen irgendwie gepresst, gestöhnt und geächzt. Um das zu vermeiden, atmen Sie zunächst einmal bewusst aus!
  5. A = Anfangen! Die Zuhörer schauen Sie erwartungsvoll an, es gibt eine gespannte Atmosphäre im Raum – und nun beginnen Sie einfach. Sie werden intuitiv nur so viel Luft einatmen, wie Sie auch wirklich für den ersten Satz brauchen.

Wie gut gelingt Ihnen dieser Auftakt mit der A-5-Strategie?

Pause ist nicht gleich Pause

Stellen Sie sich einmal folgende zwei Rede-Situationen vor.

Situation 1: Sie stehen vor Ihren Mitarbeitern und stellen die Ziele für das kommende Jahr vor. Während Sie permanent auf und ab laufen, stellen Sie die rhetorische Frage: „Was würde passieren, wenn wir diese Ziele für nächstes Jahr nicht erreichen?“ Nach dieser Frage sagen Sie zwar ein paar Sekunden nichts, Sie wenden jedoch den Blick von Ihren Mitarbeitern ab und bewegen sich einfach weiter.

Situation 2: Sie stehen wiederum vor Ihren Mitarbeitern und stellen die Ziele für das kommende Jahr vor. Dieses Mal stehen Sie stabil auf beiden Füßen und stellen die rhetorische Frage: „Was würde passieren, wenn wir diese Ziele für nächstes Jahr nicht erreichen?“ Nach dieser Frage blicken Sie fest in die Gesichter Ihrer Mitarbeiter, verharren für ein paar Sekunden in Ihrer Körperhaltung – ohne sich zu bewegen.

Sie ahnen es: Sicherlich wirken Sie in der zweiten Situation überzeugender, souveräner und eindringlicher als in der ersten. Doch woran liegt das?

Pausen sind nicht gleich Pausen. Es macht einen Unterschied, ob wir einfach nur auf den Bus warten oder auf einer Bühne spannungsgeladen ins Publikum schauen. Es gibt beiläufige Pausen, in denen wir einfach nichts sagen, und wirkliche Spannungs-Pausen, bei denen wir die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Wenn Sie also beim Präsentieren wirkungsvolle Pausen setzen wollen, dann laden Sie diese Pausen mit Spannung auf.

So machen Sie spannungsvolle Pausen

Lesen Sie folgenden Satz einmal laut und zügig vor: „Und der Mörder war kein anderer als der Butler.“ Sprechen Sie diesen Satz nun ein zweites Mal – dieses Mal mit Pausen: „Und der Mörder – war kein anderer – als der Butler.“ Wie wirkt der Satz mit Pausen anders als ohne? Wie lang können Sie diese Pausen aushalten?

Probieren Sie aus, die Pausen nun weiter zu verlängern. Machen Sie dabei zu jedem einzelnen Sinnschritt eine Geste, öffnen Sie beispielsweise Ihre Hände oder erheben Sie den Zeigefinger. Diese Gesten frieren Sie dann für 3-4 Sekunden ein (Freeze):

„Und der Mörder…“ (Hände öffnen sich – Freeze)

„… war kein anderer…“ (Zeigefinger hoch – Freeze)

„… als der Butler!“ (Hände öffnen sich – Freeze)

Wie fühlt sich das an? Vermutlich anfangs etwas ungewohnt? In jedem Fall gelingt es Ihnen so, eine Spannung im Raum zu erzeugen. Denn jede eingefrorene Geste, jede gestoppte Bewegung zeigt: es geht noch weiter – nur wie?

Legen Sie Pausen ein – nicht nur beim Sprechen!

Pausen sind wichtig – nicht nur beim Sprechen, sondern generell im Leben. Wenn Sie einen arbeitsreichen Tag hatten, gönnen Sie sich Ruhe und Erholung. Auf Anspannung sollte Entspannung folgen, auf Arbeit Freizeit. Diese Balance zu finden, ist gerade in unserer schnelllebigen Zeit von großer Bedeutung. Vielleicht könnten die Weihnachtsfeiertage jetzt ein guter Anreiz sein, wieder einen Schritt zurückzutreten und zu schauen, wie und wo Sie sich öfters Pausen gönnen können?

Frederik Beyer
frederik.beyer@evoleo.de
Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben